
Carsten Nicolai: Anti-Reflex
Ort: Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main
Auftraggeber: Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main
Leistung: Realisierung von Kunstobjekten und Exponateinrichtung für Carsten Nicolai
Ausstellungsdauer: Januar bis März 2005
Carsten Nicolai (geb. 1965 Chemnitz) zählt heute zu den wichtigsten Vertretern einer Künstlergeneration, die gezielt die Schnittstellen zwischen Kunst, Natur und Wissenschaft untersucht. Mit seinen audiovisuellen Installationen gehört der Berliner zu den interessantesten Positionen in der zeitgenössischen Kunst. Nach Ausstellungen in der Neuen Nationalgalerie Berlin (1994), der New York Kunsthalle (1996) und dem Watari Museum of Contemporary Art in Tokyo (2002) sowie Teilnahmen an internationalen Gruppenausstellungen wie der documenta (1997) und der Biennale in Venedig (2001, 2003) präsentiert die Schirn mit Anti-Reflex die bisher größte Überblicksausstellung von Carsten Nicolai.
„Ich arbeite gern unter sehr präzisen Bedingungen, und in diesem Sinn sind wissenschaftliche Forschung und künstlerische Prozesse mehr oder weniger das Gleiche. Wer nur der bestehenden Logik folgt, verhält sich wie eine Maschine. Erst wer diese Gesetze durchbricht und etwas Unvorhergesehenes tut, betritt neuen Boden. Viele berühmte wissenschaftliche Erfindungen sind durch Zufälle entstanden; oft sind es die unerwarteten Augenblicke, die zu neuen Entdeckungen führen.“
Carsten Nicolai
Nicolai versucht unterschiedliche Sinnesempfindungen miteinander zu verknüpfen. zudem verbinden seine Arbeiten oft Naturphänomene, die in eine eigene künstlerische Sprache implementiert werden. Der neuartige Eindruck, den seine Werke hinterlassen, entsteht dadurch, dass sie jenen undeutlichen Grenzbereich hervorbringen, in dem Bewusstsein und Materie ineinander übergehen und der Betrachter der Realität einer sowohl innerlichen als auch körperlichen Erfahrung sehr nahe kommt. Er wird auf sein ureigenes Empfinden und somit auf die essenziellen Fragen nach der Ordnung der Dinge zurückgeworfen.
In der Ausstellung werden einander zwei Räume gegenübergestellt: „reflex“ und „anti“. Der eine Raum ist hell, der andere nahezu dunkel. Der Besucher verbindet die beiden Räume, indem er durch eine Passage geht, deren geometrische schwarzweiße Siebdrucktapete vom Auge als Ansammlung pulsierender Felder und visueller Rhythmen empfunden wird. Zentrales Element des „reflex“-Raums ist eine gleichnamige würfelförmige Skulptur. Sie besteht aus einer zwölfeckigen, 3 m hohen Box, die an einer Seite offen ist und den Besucher einlädt, den Innenraum zu betreten, wo aus zehn Lautsprechern mit hoher Geschwindigkeit Ton von Hochfrequenz-Weißem-Rauschen zirkuliert und die akustische Illusion erzeugt, dass in den Wänden der Box ein weiteres, dreidimensionales Objekt verborgen ist.
Der zu „reflex“ korrespondierende Raum „anti“ enthält ebenfalls eine Skulptur – ein gleichförmiges schwarzes Pendant, das im Gegensatz zur Ersteren nicht betreten werden kann. Über eingebaute Subwoofer gibt „anti“ tiefe Frequenzen von sich, die nicht gehört, sondern nur gespürt und vom Besucher durch Berührung verändert werden können. Formal bezieht sich die Skulptur auf eine geometrische Form aus Albrecht Dürers Stich „Melancholia I“ und greift somit neoplatonische mathematische und geometrische Konzepte der Renaissance auf, die sie mit der zeitgenössischen Diskussion über akustische Dimensionen der Architektur verbindet.
Quelle: www.schirn-kunsthalle.de

