
con con: Spreebrücke / Badeschiff
Ort: Kunst im öffentlichen Raum, Berlin
Auftraggeber: Stadtkunstprojekte e.V.
Leistung: Technische Projektleitung, Produktionsleitung, Baugenehmigungen
Projektjahr: 2004
Unter dem Titel „con_con 2003 – Constructured Connections“ wurden in der Galerie Aedes im Oktober 2003 Brückenentwürfe in und für Berlin vorgestellt. Insgesamt präsentierten sich zwölf Stadtkunstprojekte an und auf Berliner Spreebrücken. Die Arbeiten hatten zur Aufgabe gehabt, den Begriff der „Brücke“ für einen spezifischen Ort an der Spree zu definieren und in einem real umsetzbaren Projekt zu manifestieren. Dabei galt es den Renaissancegedanken einer lebendigen Brücke, auf der Kommunikation und Begegnung stattfinden, aufzugreifen und anhand aktueller Bedürfnisse und stadträumlicher Bezüge künstlerisch umzusetzen. Der Titel constructed connections bezog sich auch auf die kommunikativen Interaktionen, die durch die Verbindung zweier Pole entstehen. So war con_con als Plattform für die Diskussion über Bedeutung und Funktion von Brücken - im konstruktiven wie soziologischen Sinn – für das interdisziplinäre Vorhaben gedacht.
Vier der ausgestellten Projektentwürfe wurden 2004 realisiert. Das Badeschiff Spreebrücke nach dem Entwurf der Berliner Künstlerin Susanne Lorenz und der spanischen Architekten AMP (Artengo-Menis-Pastrana) mit Gil Wilk schwimmt bis heute. Im Berliner Sommer hat es sich längst als beliebter Badeort auf der Spree etabliert. Seit 2005 wird es zudem in der Zeit von Oktober bis April (nach den Entwürfen von Gil Wilk) zum Winterbadeschiff mit Saunalandschaft und Barbereich umgebaut.
Die Spreebrücke (Badeschiff) ist ein Frischwasser-Schwimmbad in der Berliner Spree mit zugehöriger Steganlage. Das Projekt besteht aus drei Komponenten: einem Badeschiff, zwei Holzplattformen, die sich in den Proportionen auf das Badeschiff beziehen und einem Brückensteg als Verbindungselement. Das Badeschiff ist ein Zwischenschubleichter (Mittelteil eines auf der Spree üblichen Schubschiffs), der zu einem Schwimmbad umfunktioniert wurde. Innerhalb der Spree entsteht so eine saubere Wasserfläche, die das Schwimmen im Fluss erlebbar macht. Die Spreebrücke hat eine Bewusstwerdung des Flusses und seiner Qualitäten innerhalb Berlins zum Ziel. Es eröffnet die Perspektive des Badens in der Spree und knüpft damit an eine lange vergangene Berliner Badekultur an. So gab es um die Jahrhundertwende fünfzehn private Spreebäder in Berlin, davon allein vier in dem Abschnitt zwischen Jannowitzbrücke und Elsenbrücke. Diese Bäder bestanden entweder aus einer Abtrennung eines Wasserbereichs innerhalb der Spree oder wiesen mit Frischwasser gefüllte Bassins auf, so genannte "Badeschiffe". Eine wesentliche Idee ist die potentielle Mobilität des Badeschiffs und - in der ursprünglichen Fassung - auch des Strandbereichs. Für den Standort an der arena wurde der Strand / die Plattform den Gegebenheiten angepasst. Susanne Lorenz
Technische Daten des Badeschiffs:
Länge: 32,50 m
Breite: 8,20 m
Wassermenge: 395 cbm
Wasseroberfläche: 240 qm
Wassertemperatur: 24 Grad Celsius
Gesamtfläche Holzplateaus 520 qm
Geht nicht, gibt’s nicht – die schwierige Realisierung
Eine 32 mal 8 Meter große Stahlwanne bis zum Rand mit Wasser zu füllen und sie dann schwimmend in der Mitte eines von großen Schiffen mit entsprechenden Wellengang befahrenen Flusses zu verankern, so dass etwa sechzig Badegäste gleichzeitig in mindestens zwei Meter tiefem Wasser herumtoben können, war eine große Herausforderung. Trotz umfangreicher Recherchen stieß man auf kein technisch vergleichbares Projekt. Das Ziel der Planer war ein reiner „Wasserbalkon im Fluss“, ohne zusätzliche Aufbauten und ohne zusätzliche Schwimmkörper. Schrittweise gelang es nach vielen Gesprächen mit Ingenieuren, Schiffsbauern und Behörden, ein geeignetes Konzept zu entwickeln. Als passendes Schiff wurde ein Zwischenschubleichter vom Typ ZSP 36 aus dem Jahr 1967 in der Werft der Rummelsberger Bucht bei der Märkischen Bunker und Service Gmbh (MBS) gefunden. Dieses blieb in seiner Grundform unangetastet und wurde zum beleuchtbaren schwimmenden Schwimmbecken umgebaut. Die Schwimmbadtechnik wurde in einem Gebäude der Arena an Land untergebracht.
Als schwierigster Punkt bei der Realisierung erwies sich zum Erstaunen aller Beteiligter nicht eine der zahlreichen technischen Problemstellungen, sondern das komplexe Genehmigungsverfahren.
Quellen: www.baunetz.de, www.stadtkunstprojekte.de, www.susanne-lorenz.de


