
Jüdisch-Gregorianischer Kalender
Ort: Alte Synagoge Essen
Auftraggeber: Stadt Essen
Leistung: Herstellung und Montage des Exponates sowie der vorgestellten Glastrennwand
Zeitraum: Juni bis Oktober 2010
Die Alte Synagoge eröffnete 2010 als Haus jüdischer Kultur in neuem Licht. Eine besondere Attraktion innerhalb der fünf neuen Ausstellungsbereiche, die sich jüdischen Traditionen, Festen und „Way of life“ sowie der Geschichte des Hauses und der Gemeinde in Essen widmen, ist der Jüdisch-Gregorianische Kalender. Die Kalenderinstallation ist eine große mechanisch betriebene Umrechnungsmaschine, die die jüdische Zeitrechnung und deren Entsprechung in der gregorianischen Zeitrechnung auf eindrucksvolle Weise darstellt. Beide Zeitrechnungen befinden sich in grafischer Darstellung jeweils auf einem Zahnrad von über 3 Meter Durchmesser.
Auf der linken Seite befindet sich der jüdische Kalender. Als sogenannter Lunisolarkalender richtet er sich nach den Mondphasen. Eine Schaltregel dient der Angleichung an das Sonnenjahr. (Das ordentliche Gemeinjahr dieses Kalenders umfasst 354 Tage, die auf 12 Monate mit jeweils 29 oder 30 Tagen aufgeteilt sind, das ordentliche Schaltjahr beinhaltet aufgrund des dreißigtägigen Schaltmonats 384 Tage. Die fünf kalendarischen Ausnahmeregeln können zu einer Verlängerung oder Verkürzung der ordentlichen Jahreslänge um jeweils einen Tag führen.) In ihrer Entwicklung wurde diese Zeitrechnung sowohl von der eigenen, israelitischen Traditionen geprägt, als auch von Elementen fremder Kulturen, besonders während des babylonischen Exils. Die Systematik des heutigen jüdischen Kalenders beruht im Wesentlichen auf Festlegungen des Patriarchen Hillel II. aus dem Jahr 359, hat sich aber - insbesondere für die Zählung der Jahre - erst ab dem 11. Jahrhundert durchgesetzt. Der heute weltweit angewendete Gregorianische Kalender (benannt nach Papst Gregor XIII.) entstand Ende des 16. Jahrhunderts durch Reformieren des Julianischen Kalenders und wurde 1582 mit der päpstlichen Bulle Inter gravissimas verordnet. Er löste im Laufe der Zeit sowohl den Julianischen als auch zahlreiche andere Kalender ab.
Mit einer handbetriebenen Kurbel werden die beiden großen Kalenderscheiben, auf denen die Jahre 2010 – 2028 angezeigt sind, in Bewegung gesetzt. Eine Kurbelumdrehung bedeutet eine Woche. Die sieben Wochentage sind auf der Kurbel aufgeführt und entsprechen einem Zahn auf beiden Rädern. Die Kurbel kann in beide Richtungen gedreht werden, so dass Daten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erkurbelt werden können. An der Stelle, wo die Zahnräder ineinandergreifen sieht man durch eine Lupe die Tagesdaten der unterschiedlichen Zeitrechnungen im Vergleich. Nach 19 Jahren, das sind ca. 992 Wochen und Zahnradzähne lässt sich erkennen, dass die Zahnradzähne annähernd synchronisieren.



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