
Kraftwerk Religion – Über Gott und die Menschen
Ort: Deutsches Hygiene Museum, Dresden
Auftraggeber: Stiftung Deutsches Hygiene Museum, Dresden
Leistung: Ausstellungsgestaltung Marco Unterhaslberger mit Friedrich Forssmann,
Produktionsleitung, Grafik, Ausführungsplanung
Ausstellungszeitraum: 02. Oktober 2010 bis 05. Juni 2011
Die Ausstellung geht den Fragen nach Gott, Glauben und Religion in einer globalisierten Welt nach. Fast überall in der Welt wird weiterhin an eine Wahrheit jenseits der reinen Tatsachen geglaubt. Die Säkularisierung und der Rückgang von Kirchengemeinschaften konnte der Bedeutung von Gläubigkeit und Religiosität im modernen Europa nichts anhaben. Im Gegenteil, heute kann man beobachten, wie Gott in die Politik zurückkehrt.
Auf ihren Glauben und auf Gott berufen sich heute Präsidenten ebenso selbstverständlich wie Terroristen. Gott werden Staaten und Kriege geweiht, in seinem Namen geht es um den Weltfrieden und die Menschenwürde, um Freiheit und Gerechtigkeit. Wenn ein "Clash of Civilizations" beschworen wird, dann ist damit auch gemeint, dass in einer globalisierten Welt die Götter dieser Kulturen, sprich ihre Religionen, aufeinandertreffen. Ob daraus in erster Linie Abgrenzung und Kämpfe entstehen oder aber Austausch und gegenseitige Beeinflussung, das ist heute eine offene Frage.
Die Auswirkung von Religion auf Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft wird zum Ausgangspunkt der Ausstellung genommen, um zu untersuchen, was Glauben heute ist. Kraftwerk Religion wird einzelnen, besonders wirkmächtigen Kulturen des Glaubens nachgehen, um vor diesem Hintergrund danach zu fragen, wie eine Zukunft demokratischer und pluralistischer Gesellschaften aussehen könnte, die fähig wäre, mit dem Glauben ihren Frieden zu machen – und umgekehrt.
Quelle: Deutsches Hygiene Museum, Dresden






Raum und Gestaltung
Für die Ausstellung „Kraftwerk Religion. Über Gott und die Menschen“ entscheiden wir uns für eine Typologie, die in der Lage ist, das kulturgeschichtliche Thema „Glauben“ tragen zu können.
Die Landschaft.
Die Topografie, die Enge und Weite, die Höhenentwicklung, die Blickbeziehungen folgen der erzählerischen Dramaturgie und geben ihr den szenografischen Rahmen.
Der Filz, ein archaisches, natürliches, weiches, warmes, sinnliches Material formt die Landschaft. Es entstehen Berge, Hügel, Hänge, Täler, Schluchten... Mäandernde Wege aus metallenen Platten bilden die Wege durch sie hindurch.
In den drei Ausstellungssälen ist die Filzlandschaft unterschiedlich künstlerisch ausgeformt. Im ersten Saal „Religionen in der Gesellschaft“ bildet ein heterogenes Raster die Grundlage für die gestalterische Ausarbeitung. Im zweiten Saal „Gemeinschaften“ sind es konzentrische Kreise. Hier wird aus dem Innenleben von Gemeinschaften erzählt und von Beziehungen zwischen dem Innen und Außen. Im dritten Saal geben klare geometrische Formen den Themen „Offenbarungen und letzte Fragen“ ein festes Fundament. Einer diagonalen Linie folgend, knickt im dritten Saal der Metallboden nach oben weg und trennt den Raum in zwei Bereiche. Von vorn wird die Fläche mit der Installation „letzte Fragen“ bespielt. Hinter der Fläche entsteht ein Filmraum für die „Gebetsinstallation“.
Die Objekte.
Aus der Landschaft wachsen die Objekte. Alle Objekte stehen in einem inhaltlichen sowie räumlichen Kontext zur Erzählung. Räumlich betrachtet, bilden sie das horizontale Zentrum der Ausstellung. Fast alle Objekte werden einzeln in Vitrinen gezeigt. Die Ausnahme bilden Objektarrangements, in denen es um den seriellen Charakter der Objekte geht, wie bei den Kreuzen und Madonnen. Sie wachsen Landschaftshügel hinauf.
Der Himmel.
Der Himmel bildet eine weitere inhaltliche Schicht. Im Gegensatz zur ausdifferenzierten Vitrinenlandschaft schafft der projizierte Himmel Weite. Dem jeweiligen Saal übergeordnete animierte Zitate, die sich aus einzelnen Buchstaben zu Worten und Sätzen zusammenfügen und nach einiger Zeit wieder auseinander fallen, ergeben ein sich ständig änderndes und bewegtes Bild des Himmels.
Farben und Materialität.
Die verschiedenen Grautöne des Filzes, der Metallplatten und der Vitrinen geben der Landschaft ein homogenes Erscheinungsbild. Die Beleuchtung der Landschaft verleiht ihr einen leicht blauvioletten Schein. Farbigkeit kommt vor allem durch die Exponate in die Ausstellung.Die Grafik, die Medieninstallationen und die Filme verwenden acht aufeinander abgestimmte, leuchtende Farben. Grauer Filz, unbehandeltes Metall, schwarz durchgefärbtes MDF, Acrylglas, Projektionssegel aus Feintüll
Dresden, 29. September 2010
Marco Unterhaslberger
Bildnachweis: © David Brandt, Dresden