1:1 Riesen der Meere

Ort: OZEANEUM Stralsund
Auftraggeber: Greenpeace Deutschland e.V.
Leistung: Realisierung von 1:1 Wal, Riesenkalmar und Kelpmodellen
Projektzeitraum: August 2007 bis Juli 2008, Eröffnung 11. Juli 2008

Das OZEANEUM zeigt die größte Ostsee Ausstellung Europas und informiert über die Weltmeere. Die Besucher/innen können sich auf eine faszinierende Unterwasserreise von der Ostsee bis in den Atlantik begeben. 39 Aquarien, zahlreiche Vitrinen und  tausende Exponate vermitteln anschaulich die Vielfalt im Meer und dessen Bedrohungen, das Wechselspiel von Atmosphäre und Ozeanen, die Motoren der Meeresströmungen und die Extreme der Tiefsee. Der spektakuläre Museumsneubau dient als Ort für Bildung und Forschung.

Am Ende des Rundganges durch das OZEANEUM wird den Besucher/innen ein Höhepunkt geboten. In einem Raum von etwa 20 m Höhe und 30 m Länge befinden sich die „Riesen der Meere“. Hier werden Wale und andere Meeresriesen in ihrer natürlichen Größe gezeigt.

Die weltweit größte Dokumentationsschau über Wale vermittelt einen bleibenden Eindruck von der Mächtigkeit dieser Lebewesen, deren Eleganz und Anpassung an das Wasserleben hier erlebbar werden. Die einzelnen Walarten sowie ihre Gesänge und Laute werden in einer aufwendigen Licht- und Toninszenierung vorgestellt. Es wird deutlich, wie das Medium Wasser diese Tiere formt, welche Entwicklung sie durchmachen, aber auch wie gefährdet sie sind.

Von den offenen Etagen des Galerieraumes ist ein Blick auf die zentrale Halle möglich. Auf den Etagen und an den Wänden sind Detailinformationen zu den Meeresriesen sowie weiteren Themen zur Biologie, Verbreitung und Gefährdung der großen Meeressäuger einsehbar. Neben den Walen werden gewaltige Algen, die ganze Kelpwälder bilden, sehr große Fische, Riesenkalmare, gigantische Krebse und Muscheln vorgestellt.

Leistung

Ein Blauwal, ein Buckelwalweibchen mit einem Jungtier, ein Schwertwal und ein Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar, wurden detailliert naturgetreu in ihrer originalen Größe als Modelle gebaut. Die Länge der einzelnen Tiere umfasst Größen von 5 Metern des Buckelwalkalbs bis zu 26 Metern des Blauwals.

Als weltweit in dieser Form einzigartige Ausstellung hängen die Riesen der Meere von der Decke und ermöglichen den Besuchern die Illusion, sich unter der Meeresoberfläche zu befinden, um von dort aus die  faszinierenden Meeresbewohner betrachten zu können.

Beeindruckend ist auch ein 15 m hoher Kelp. Das Modell zeigt einen realistisch anmutenden Ausschnitt aus einem Kelpwald. Für die fünf Pflanzen wurden die Stiele aus Stahl gebaut. Die Blätter bestehen aus PET. Sie wurden modelliert und lackiert. Nasspräparate, Fotos und Filme von Kelpwäldern dienten als Vorlage für den Bau des Modells.

m.o.l.i.t.o.r. arbeitet zusammen mit einem Team von Bildhauern, Stahlbauern und Kunstmalern ein Jahr lang an der Realisierung der Meeresriesen. Eine Herausforderung ist die logistische Durchführung bei Transport und Hängung der Objekte. Hier sind eine Transportfirma, eine Kranfirma und Statiker m.o.l.i.t.o.r.s Partner. Allein der Bau des Blauwales erfordert die Verarbeitung von 3 Tonnen Spachtelmasse, 400m³ Styropor, 1200 kg Polyesterharz, 4 Tonnen Stahl und 200 kg Fassadenfarbe.

Anhand der notwendigen Arbeitsschritte zur Realisierung des 1:1 Blauwalmodells lässt sich nachvollziehen, wie nahezu Unmögliches möglich gemacht wird.

In der Anfangsphase des Projektes fand ein Workshop zwischen Walwissenschaftlern und Bildhauern statt. Als Ergebnis dieses Workshops wurden im Maßstab 1:10 Walmodelle gebaut, von denen 3-D Scans hergestellt wurden. Diese Daten dienten als Grundlage für alle weiteren Arbeiten. Zunächst wird aus dem Stahl das Traggerüst des Wales gebaut. Um ein optimales Arbeiten für die Bildhauer zu ermöglichen, müssen die Gestelle in große Stahlringe verfrachtet werden, in welchen sie gedreht werden konnten. Auf das Stahlgerüst werden zunächst 30 cm dicke Styroporplatten aufgeklebt. Danach wird die Skulptur in Form geschnitzt.

Um eine kunstvolle und originalgetreue Walform zu bekommen, eignen sich die Plastiker/Bildhauer das nötige Wissen anhand des reichhaltigen Bildmaterials des Meeresmuseums  an. Die Anatomie der Tiere wird ständig anhand von Fotos und Filmen überprüft. Detailfragen werden mit den Meeresforschern geklärt. Um beispielsweise die Augen möglichst realistisch aussehen zu lassen, sind genaue Kenntnisse über deren Form, Farbe aber auch ihre Funktion erforderlich. Das Auge eines Blauwales hat einen Durchmesser von etwa 10 – 11cm und ist damit in Relation zu dem Körper unvorstellbar klein.

Im nächsten Arbeitsschritt wird Spachtelmasse auf die Styroporgrundlage aufgetragen. Sie wird über den ganzen Körper übergezogen und gibt ihm Festigkeit. Danach wird der Wal mit in Polyesterharz getränkten Glasfasermatten beschichtet, um eine stoßfeste und brandsichere Oberfläche zu erhalten. Anschließend kann die Farbe aufgetragen werden. Vier Kunstmaler tragen mit Spritzpistolen und Pinseln unter Verwendung verschiedener Maltechniken eine naturgetreue Farbgebung auf.

Spektakulär, wenn auch auf Grund der frühen Uhrzeit nahezu unbemerkt, verläuft der Transport des Blauwalmodelles aus der Gestaltungshalle in die Ausstellungshalle des Ozeaneums.                       Das 9 Tonnen schwere Modell muss, um den Verkehr nicht zu behindern, als Schwertransport morgens früh ab 3:30 Uhr in Schrittgeschwindigkeit zu dem ihm bestimmten Platz gefahren werden. Gegen 5:00 Uhr trifft der Blauwal am Ozeaneum ein und wird dort in Millimeterarbeit vorsichtig durch das Eingangstor zur Halle gerollt. Finne und Flosse werden gesondert transportiert und vor Ort montiert. Danach werden die Wale mit Schwerlastzügen unter der Decke platziert.

Mit Stahlösen an 3 runden 25mm dicken Stahlstangen befestigt, vermittelt der riesige Blauwal „dem man kaum ansieht, dass er ein lebensechtes Modell ist“ (Berliner Zeitung) zusammen mit den anderen Riesen der Meere nach einem Jahr Planung und Verwirklichung einen authentischen Eindruck für die unter ihm stehenden und liegenden Bewunderer.

http://www.greenpeace.de/
http://www.ozeaneum.de/





Bildnachweis: © Greenpeace und Martin Müller